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Schutz: Nisthilfen und Nahrungsangebot

Handlungsempfehlungen für den Schutz der Wildbienen
Handlungsempfehlungen für den Schutz der Wildbienen

Am Sinnvollsten und Wirkungsvollsten für die bedrohten Wildbienen ist die Erhaltung von (a) natürlichen Nistplätzen und (b) heimischen Pflanzengesellschaften in der freien Landschaft! Für die Erhaltung von wertvollen Biotopen setzen sich Naturschutzverbände und einzelne Wildbienenkenner ein. Hier finden Sie einige Beispiele für natürliche Nistplätze verschiedener Wildbienen.

Sie als Garten- oder Balkonbesitzer können diese wertvollen Landschaften nicht direkt schützen. Allerdings haben Sie die Möglichkeit, die Ihnen selbst zur Verfügung stehenden Grünflächen lebendig zu gestalten, dort Nistmöglichkeiten anzubieten und das Nahrungsangebot für unsere Bestäuber zu verbessern.

Nahrungsangebot
Wildbienen benötigen für die Versorgung mit Pollen und Nektar oft ganz bestimmte Blütenpflanzen in ausreichender Menge. Die Anlage von Staudenrabatten, Steingärten oder Sommerblumenbeeten mit geeigneten Blumen und Pflanzen hilft daher, die Nahrungsversorgung von Bienen sicherzustellen. Das "Netzwerk Blühende Landschaft" gibt dazu konkrete Handlungsempfehlungen. Die Bio-Versandgärtnerei Syringa hat im Frühjahr 2013 zwei tolle Wildblumenmischungen für Wildbienen auf den Markt gebracht. Hier finden Sie die ausführliche Pflanzenliste und Angaben, welche Wildbienen davon profitieren!

Ackerblühstreifen für Wildbienen - Was bringen sie wirklich?
Checkliste für Wildbienen-Nisthilfen
Checkliste für Wildbienen-Nisthilfen

Blühstreifen werden in vielen Bundesländern und im Rahmen des "Greening" ab 2015 auch durch die EU gefördert. Die Wildbienenexperten Dr. Christian Schmid-Egger und Rolf Witt unterscheiden in einem wissenschaftlichen Beitrag zwischen einjährigen und mehrjährigen Blühstreifen. Einjährige Blühstreifen sind meist artenarm bzw. enthalten viele Kulturarten, blühen nur kurz und sind daher auch für die Förderung von Wildbienen ungeeignet. Mehrjährige Blühstreifen sind sehr viel besser zu bewerten, wenn sie ökologisch optimiert sind. Dazu müssen sie in der Regel artenreich sein und vor allem Pflanzenarten enthalten, die von spezialisierten Wildbienenarten genutzt werden können. Zudem sollte mindestens Regio-Saatgut, besser noch sogenanntes autochthones Saatgut verwendet werden. Die Autoren unterstreichen, dass beim Anbau mehrjähriger Blühstreifen neben einer standortgerechten Pflanzenauswahl diese im Verbund angelegt sowie über mehrere Jahre beibehalten werden soll. Nur so können sich dauerhafte Populationen gefährdeter Wildbienenarten aufbauen. Blühstreifen sind dazu in Kombination mit geeigneten Nisthabitaten anzulegen, da Blühstreifen alleine in der ausgeräumten Agrarlandschaft kaum besiedelt werden können.

Die Autoren sehen den Anbau von Energiepflanzen aller Art kritisch, denn diese fördern Wildbienen nicht. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass mit dem Anbau von Energiepflanzen sogar Grenzertragslagen genutzt werden und damit die "letzten Reste" von Wildbienen-Habitaten genutzt werden, was zur Verschärfung des Artenschwundes von Wildbienen beiträgt. Hier der wissenschaftliche Beitrag (PDF, 2,6 MB).

Gründe für den Schutz der Wildbienen in Deutschland
Bienenbild

Wildbienen zu fördern ist sinnvoll, da …

  • ...sie ausgesprochen emsige Bestäuber sind, die schon mit der aufgehenden bis zur untergehenden Sonne, bei Temperaturen von 4 °Celsius und bei leichtem Regen fliegen.
  • ...sie in ihrer großen Artenvielfalt eine interessante Anpassungen an ihren Lebensraum vollzogen haben (in Deutschland leben 560 verschiedene Wildbienen!).
  • ...sie durch ihre evolutive Anpassung an unterschiedlchste Blütenformen abhängig sind von einer Vielfalt von Pflanzen und diese Vielfalt durch ihre Bestäubungsleistung wiederum befördern (gegenseitige Anpassung).
  • ...sie sich mit passenden Nisthilfen kinderleicht ansiedeln und beobachten lassen.
Kleinlebensräume und ihre Bedeutung für Wildbienen
Wiesenbild

Folgende Kleinlebensräume haben für die Erhaltung von Wildbienen eine besondere hohe Bedeutung:

  • Reich strukturierte Waldränder, Waldlichtungen und Feldhecken, insbesondere mit südlicher Ausrichtung
  • Zweimal im Jahr gemähtes, nur mäßig gedüngtes Grünland
  • Kleine Sand- und Lehmentnahmestellen
  • Blütenreiche Feldraine
  • Graben- und Gewässerränder, die mit hohen Stauden bewachsen sind, die den Bienen Nahrung liefern,
  • Flächen mit Pioniervegetation oder Ruderalvegetation (z.B. auf Schutt- oder Brachflächen lebende Pflanzen), besonders auf Sand und Löß
  • Totholzstrukturen
  • Horizontale und vertikale, vegetationsfreie Erdaufschlüsse wie Erdwege, Abbruchkanten und Steilwände

Die Lebensräume der Wildbienen umfassen Geländeausschnitte sehr unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung. Zu berücksichtigen ist, das Bienen maximal 400 Meter zwischen Nistplatz und Nahrungsplatz zurücklegen können. Es sollte also gewährleistet werden, dass Schutzgebiete so angelegt werden, dass Bienen zugleich Nistmöglichkeiten finden und in kurzer Entfernung auch ein entsprechenden Nahrungsangebot vorhanden ist. Das setzt eine Planung von Landschaftsschutzbieten voraus, bei der viele verschiedene bienengerechte Kleinlebensräume nebeneinander existieren und eine Vielfalt an Wildpflanzen vorhanden ist.

In Anlehnung an: Paul Westrich, www.wildbienen.info

Infos und Hilfe

Das Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) bietet Informationen (PDF, 1,6 MB) zu Bienen, Hummeln & Co.

Ein Artikel aus "LandGARTEN" Nr. 2/2014 über summende Gärten und Wildbienen (PDF)

Dr. Christian Schmid-Egger ist Wildbienenspezialist. Er berichtet, warum Stadtbrachen so wichtig für Wildbienen und andere Insekten sind.

Kontakt

Dr. Helga Rolletschek
Leiterin der Didaktik der Biologie
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Ostenstraße 26-28
85072 Eichstätt

Tel.: 08421 / 93-21618
Email: